Tierassistierter Besuchsdienst in der Pflege

Engel auf 4 Pfoten in der Pflege im Einsatz

Besuchsdienste und tiergestützte Therapie im häuslichen Bereich der Pflegebedürftigen in Vorbereitung

Mit unserer Arbeit unterstützen wir seit 19 Jahren Kinder und Jugendliche, die aufgrund einer frühkindlichen neurologischen Schädigung eine Behinderung und/oder Pflegebedürftigkeit haben.

Als eine von Angehörigen versorgungs- oder betreuungsintensiver Kinder initiierte Selbsthilfeorganisation wollen wir anderen betroffenen Familien das Leben erleichtern.

Durch die Corona-Virus- Situation hat sich die schwierige Situation bei pflegebedürftigen Menschen verschärft. da die Betroffenen zur Hochrisikogruppe gehören.

Längere Isolation stellt jedoch besonders für diese Zielgruppe einen enorme Belastung dar, welche bspw. auch zu psychischen Problemen führen kann.

Unsere Philosophie: „Kann der Patient nicht zum Therapeuten kommen, dann kommt der Therapeut zum Patienten“. Im  Bereich der tiergestützten Therapie und Pflege sind ausreichend Erfahrungen vorhanden, sodass wir diese nun nicht nur vermittelnd, sondern in der Praxis umsetzen möchten.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, schwerkranken und bedürftigen Kindern  die oftmals belastende Pflegesituation zu erleichtern, ihnen die Angst zu nehmen und ihre Einsamkeit zu lindern. Unsere speziell für diese Arbeit ausgebildeten Pflegefachkräfte und ausgebildete tierassistierte Therapeuten können das Leben dieser Zielgruppe um ein vielfaches erleichtern.
Diese Pflegefachkräfte und ausgebildeten Therapeuten  sind für die Kinder da, lenken Sie von der Krankheit ab, schenken Kraft, Zuversicht und Lebensmut, wecken Humor und Hoffnung, geben Geborgenheit und animieren dadurch wichtige körperliche Prozesse, welche die Pflegesituation unterstützen können.

Das vermehrte Engagement der pflegenden Angehörigen wurde  in dieser schweren Krise auf eine harte Probe gestellt und daher sehen wir es als selbstverständlich an, hier Entlastung in das Leben von pflegenden Angehörigen und pflegebedürftigen jungen Menschen zu bringen.

Tiergestützte Therapiemaßnahmen in der Pflege

Tiere ergänzen immer öfter Therapien, denn sie helfen auf allen Ebenen: Durch ihr unvoreingenommenes Wesen dienen sie nicht nur als Eisbrecher und Motivator, sondern können sich auch positiv in der Pflege auswirken.

Wirkung von Tieren in der Pflege

Viele wissenschaftliche Studien belegen die positiven Eigenschaften von Tieren in der Pflege.

Beim Kontakt zu Tieren werden neben den visuellen Eindrücken auch der Gehör- und der Tastsinn angesprochen. Das fördert die Wahrnehmung und motorische Funktionen. Das Streicheln und interagieren mit einem Hund wirken beruhigend und stressmindernd auf Pflegebedürftige , und tragen zur Schärfung der Sinne bei.  Kontakte zu einem Tier vermitteln ein Gefühl von Nähe und Geborgenheit.

Dank Unterstützung einer gerontopsychiatrischen Pflegefachkraft und seit über 20 Jahren in der Pflege tätigen Partnerin, werden wir zukünftig  diesen wichtigen Besuchsdienst anbieten können um mehr Leichtigkeit in das Leben von Pflegebedürftigen zu bringen, aber auch um die pflegenden Angehörigen zu entlasten.

Seit 2015 ist unsere Partnerin mit ihrem Border Collie unterwegs. Die Ausbildung als Team fand in München nach den Richtlinien der ESAAT (Europäischer Dachverband für tiergestützte Therapie) statt.

Seit Dezember 2019 wird das Team erweitert durch einen Miniature-Australian-Shepard. Die Ausbildung wurde im Ausbildungszentrum für Therapiehunde des „Wunjo Projektes“ bei der Tierpsychologin Stephanie Lang von Langen absolviert.

Border Collies wie auch Australian Shepards sind Hütehunde. Beide Hunde sehen ihre Aufgabe darin Menschen Freude und Entspannung zu bringen. Beide Hunde haben ihre eigenen Fähigkeiten und werden auch dementsprechend eingesetzt.

Im Therapeutischen, pädagogischen und sozialen Bereich sollten nur ausgebildete Teams zum Einsatz kommen, um Erfolge zu erzielen.

Was sagte schon Hildegard von Bingen: „gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund“.

Soziologie

Wirkung von Tieren in der Tiergestützten Interaktion

  1. Was viele Menschen schon wussten, hat die Wissenschaft bestätigt: Tiere fördern die Gesundheit.
  2. Heimtierhaltung kann dazu beitragen, stressbedingten Erkrankungen wie bspw. Kreislauferkrankungen, Übergewicht oder Diabetes mellitus vorzubeugen.
  3. Hundehaltung bringt Menschen zusätzlich Bewegung und stärkt so das Herz und den Kreislauf, hilft ein gesundes Gewicht zu halten und kräftigt den gesamten Bewegungsapparat.
  4. Tiere können als soziale Katalysatoren zwischenmenschliche Kontakte fördern und Gespräche in Gang bringen. Auf diese Weise können Einsamkeit und Isolation als Auslöser psychischer Probleme vermieden oder überwunden werden.
  5. Die positiven Wirkungen von Tieren entfalten sich besonders bei Kranken, behinderten oder psychisch eingeschränkten Menschen. Mögliche Effekte sind Linderung bei Schmerz oder Angst, die Genesung kann schneller eintreten, die Lebensqualität trotz Krankheit verbessert werden. Medikamentenverbrauch und Therapiekosten können unter Umständen verringert werden.
  6. Tiere können als „Eisbrecher“ in der Therapeuten-Patienten-Beziehung wirken, vertrauensvolle Gespräche und dadurch schnelleren Behandlungserfolge ermöglichen.
  7. Professionelle Therapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen können mit dem gezielten Einsatz von Tieren ihre Behandlung intensivieren und unter Umständen einen rascheren und nachhaltigeren Therapie Erfolg erzielen nicht zuletzt, weil das Tier den Betroffenen mehr motiviert und aktiviert, als es der Therapeut allein könnte.
  8. Tiergestützte Aktivitäten durch geschulte freiwillige und ihren Tieren verhelfen Betroffenen in Krankenhäusern, in der Rehabilitation, in Hospizen oder in Pflegeheimen zu mehr Lebensfreude. Sie aktivieren und motivieren zu Bewegung und Kontakt mit anderen Menschen.
  9. Die Unterstützung eines Assistenzhundes ermöglicht vielen Menschen mit Handicap ein selbstbestimmtes und weitgehend unabhängiges Leben zu führen, was vorher undenkbar gewesen wäre. Die Hunde helfen mit unersetzlichen Handreichungen, geben dem behinderten Menschen neues Selbstvertrauen und erleichtern Kontakt mit anderen Menschen.
  10. Angesichts der Kostenlawine im Gesundheitswesen, die durch den demographischen Wandel noch gewaltiger werden wird, könnten die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Tieren für die Gesellschaft noch wertvoller werden. Kosten für Anschaffung und Unterhalt sind im Vergleich zu dauerhafter Medikamentierung oder Therapie eines Herzinfarktes oder sogar Pflegebedürftigkeit geradezu lächerlich gering. (Mars Heimtier-Studie 2013).

Wirkung von Tieren auf Menschen

Biophilie = Affinität zur Natur
Ruhige Tiere beruhigen viele Menschen
Lebhafte Tiere motivieren eher
Schlafende, schnarchende Hunde wirken beruhigend auf Menschen in Stresssituationen.

Allgemeine Wirkung von Tieren auf den Menschen

Untersuchungen zum Gesundheitszustand von Tierbesitzern zeigten:

  • 16% weniger Arztbesuche
  • Lebenszeit nach Herzinfarkt wird deutlich verlängert
  • Betroffene benötigen weniger Medikamente
  • Haben weniger Schlafprobleme
  • Haben ein allgemein besseres Gesundheitsverhalten.
  • Haben einen Lebensinhalt und Struktur
  • Das Tier vermittelt das Gefühl gebraucht zu werden
  • Tiere reduzieren die Häufigkeit an einer Depression zu erkranken.

Untersuchungen haben gezeigt, dass durch Tiere eine verbesserte Stimmung erreicht werden kann (lachen, albern sein dürfen, zärtlich sein dürfen).

Die IgA-Konzentration im Speichel von Betroffenen erhöht sich deutlich, wenn ein echtes Tier gestreichelt wird. Immunglobulin A (IgA) ist ein Antikörper, der hauptsächlich in externen Körperflüssigkeiten, wie Speichel, vorkommt und dort eine wichtige Abwehrbarriere gegen Krankheitserreger darstellt.

Wirkung in der Pädagogik:

Beispiel: Schulangst, Leseangst

Wirkung

  • Weniger Fehltage der Schüler
  • Konzentrationssteigerung
  • Lernen und Lesen funktioniert besser, weil die Anwesenheit von einem „Lese- oder Schulhund“, ein Stress- und Angstfreies lernen ermöglicht.

Wirkung von Tieren in der Medizin Schmerzbehandlungen

Beispiel:

Operationen, angstbesetzte Behandlungen, Chronische Schmerzpatienten

Wirkung:

  • Chronische (erwachsene) Schmerzpatienten, haben 23% weniger Schmerzen und es werden deutlich weniger Schmerzmittel eingesetzt
  • Es werden weniger Narkosemittel benötigt, wenn ängstliche Patienten vorher (z.B. im Wartezimmer) einen Hund gestreichelt haben z.B. vor Zahnmedizinischen Behandlungen.
  • Oft ist eine Zahnbehandlung ohne Vollnarkose bei Patienten mit Autismus, geistigen Behinderungen oder ADHS möglich.
  • Gute Erfolge bei Herzinsuffizienz Patienten
  • Gute Erfolge bei psychiatrischen Patienten z. b. Schizophrenie
  • Trauma Patienten (missbrauchte Kinder) sind während der Aufarbeitung ruhiger und entspannter (sie vertrauen sich auch unter Umständen eher einem Tier als einem Menschen an)

Wirkung bei Stress

  • Menschen entspannen bei Tieren oft besser, als durch die Anwesenheit eines anderen Menschen
  • Aggressionsbereitschaft sinkt
  • Reduktion von beruhigenden Medikamenten
  • Vertrauensaufbau zu einem Tier, wenn Vertrauen zum Menschen gestört ist
  • Ein Mensch mit Hund kann besser eingeschätzt werden und ist berechenbarer

Beispiel:

Politiker versuchen z. B. auf Wahlplakaten gezielt durch Fotos, die sie zusammen mit einem Hund zeigen, vertrauenswürdiger auf den Wähler zu wirken.

Was kann der Hund was der Mensch nicht kann

  • Der Hund gibt Akzeptanz ohne Menschen zu bewerten
  • Oxytocin wird durch direkten Körperkontakt zu einem Hund ausgeschüttet, wenn Kontakt zum Menschen gestört ist.
  • Er kann einen Bindungsaufbau fördern, wenn der Betroffene einem anderen Menschen nicht mehr vertrauen kann.
  • Pflege- und Fürsorgeverhalten wird gefördert (füttern, bürsten)
  • Motivation durch intrinsische (natürliche Reize) und extrinsische Reize (erlernte Anreize).

Tier Roboter – die Lösung?

  • Ein Roboter Tier ist zumindest besser als gar kein Tier
  • Die Authentizität fehlt, die Attrappe wird schnell langweilig
  • Nichts Unvorhergesehenes passiert
  • Immer gleiche Reize werden gesendet

Fazit:

  • Eine anhaltende Konzentration ist auf Dauer nur bei einem echten Hund zu beobachten
  • Er ist lebendig bewegt sich natürlich und hundetypisch
  • Er hat ein echtes Fell und eine „lebendige“ Körpertemperatur
  • Olfaktorische Reize werden vermittelt
  • Er zeigt spontane Reaktionen und eine Interaktion ist möglich
  • Nimmt von sich aus direktem Kontakt auf und kann Emotionen zeigen

(Quelle: aus einem Vortrag von Frau Dr. A. Beetz LMU 2015)

Was bringt der Besuch den Menschen?

Physiologische Wirkung:

  • Senkung vom Blutdruck
    Herzfrequenz, Puls- und Kreislaufstabilisierung (über Streicheln reine Präsenz)
  • Muskelentspannung
    Körperkontakt und oder entspannte Interaktion
  • Biochemische Veränderungen und neuro- endokrine Wirkungen
    Schmerzverringerung, Beruhigung und euphorisierende Effekte durch Freisetzung von Beta- Endorphinen (Stabilisierung des immunen Systems) über erregungssenkendes Lachen / Spielen
  • Verbesserung des Gesundheitsverhaltens
    Allgemeine motorische Aktivierung, Bewegung an frischer Luft, Muskeltraining, Aktivierung der Verdauung, Anregung zur besseren Körperpflege, Reduktion von Übergewicht, Förderung von Regelmäßigkeit, Tagesstruktur
  • Praktisch / technische Unterstützung
    Führung und Leitung (Blinde, Gehörlose), Schutz und Sicherheit, Arbeits- und Aufgabenerleichterung (Behindertenbegleithunde)

Mentale und Psychologische Wirkung:

  • Kognitive Anregung und Aktivität
    lernen über Tier und Tierhaltung, Austausch und Gespräche mit anderen Menschen

  • Förderung emotionalen Wohlbefindens
    akzeptiert werden, geliebt werden, Zuwendung, Bestätigung, Trost, Ermunterung, Zärtlichkeit, Intensität, spontane Zuneigung und Begeisterung u.s.w.

  • Förderung von positivem Selbst Bild, Selbstwertgefühl , Selbstbewusstsein
    konstante Wertschätzung, Erfahrung von Autorität und Macht, Bewunderung erfahren, Gefühl gebraucht zu werden, Verantwortung übernehmen, Bewältigungskompetenz erleben u.s.w.

  • Förderung von Kontrolle über sich selbst und die Umwelt
    Kontrollerfahrungen in der Pflege, Versorgung, Erfordernis der Selbstkontrolle, Stabilisierung der eigenen Ressourcen, Zwang zur aktiven Bewältigung, Vermittlung von Bewältigungskompetenz und Kompetenzerfahrung, sich was zutrauen u.s.w.

  • Förderung von Sicherheit und Selbstsicherheit, Reduktion von Angst
    Unbedingte Akzeptanz, konstante und kontinuierliche Zuneigung, unkritische Bewunderung, nicht bedrohliche und belastungsfreie Interaktionssituation, „Aschenputtel-Effekt“ (egal wie unattraktiv, ungepflegt, hilflos, langsam u.s.w.) „einfache Welt“ (füttern, nah sein, Vertrautheit), praktischer Schutz u.s.w.

  • Psychologische Stressreduktion, Beruhigung und Entspannung
    Wahrnehmungs- und Interpretationsveränderungen von Belastungen, gelassenere Stressbewertung, Trost und Beruhigung, Ablenkung, Relativierung von Konsequenzen, Umbewertung / Um Bilanzierung von Ereignissen, Aufwertung kleiner Freuden u.s.w.

  • Psychologische Wirkung sozialer Integration
    Erfüllung von Bedürfnissen nach Zusammensein, Geborgenheit, Erfahrung von Nähe, Gemeinsamkeit, Nichtalleinsein u.s.w.

  • Regressions- Projektions- und Entlastungs-möglichkeiten (Katharsis)
    Stilles zuhören, ermöglichen affektiver Entladung und offenen emotionalen Ausdrucks, Erinnerungsmöglichkeit, enttabuisierter Umgang, Identifikationsmöglichkeit und Projektionsfläche u.s.w.

  • Antidepressive, antisuizidale Wirkung
    Siehe auch z. B. Zusammensein und Gemeinsamkeit, Vertrauen und Vertrautheit, sicherer Halt und emotionale Zuwendung, Trost und Ermutigung, Förderung von Aktivität, Verantwortung, Bezogenheit und Verbundenheit, Freude, Lebendigkeit, Spontanität und Spaß erleben

Soziale Wirkung

  • Aufhebung von Einsamkeit und Isolation
    Tierkontakt selbst, Förderung und Herstellung von Kontakten, Kontaktvermittlung und sozialer Katalysator – Eisbrecher -
  • Nähe, Intimität, Körperkontakt
    Erleben von Beziehungen und Verbundenheit
  • Streitschlichtung, Familienzusammenhalt
    Vermittlung von Gesprächsstoff und Zusammengehörigkeit
  • Vermittlung von positivem sozialem Miteinander
    Sympathie, Offenheit, Unverkrampftheit

(Quelle: Prof. Dr. E. Olbrich / Dr. C. Otterstedt)

Ziele des Besuchsprogramms Zusammenfassung

Freude schenken ohne das eine Gegenleistung erwartet wird

Abwechslung und Struktur in den alltag bringen

Entstehung von intrinsischer Motivation

Berührungen zulassen / ermöglichen

Die Isolation wird aufgebrochen

Das Selbstwertgefühl des Menschen wird gesteigert

Abbau von Ängsten und Spannungen

Verbesserung und Stärkung des Immunsystems

Verbesserung von Bewegungsabläufen, Muskeltraining (auch an frischer Luft)

Übernahme von Verantwortung

Verbesserung der persönlichen Hygiene (saubere Hände, Zimmer)

Biochemische Veränderungen = weniger Schmerz-, Schlafmittel

Normalisierung von Blutdruck, Herzschlag und Atmung = Entspannung

Emotionale Ebene ausgleichen = Bedürfnis nach Zärtlichkeit decken

Nutzen für den Menschen das physio-psycho-soziale Wirkungsgeflecht

  • Förderung des Emotionalen Wohlbefindens
  • Tonus Regulation
  • Verbesserung der Gesundheit
  • Senkung des Blutdruckes
  • Neuro-endokrine Wirkung
  • Erhöhung der intrinsischen Motivation
  • Reduzierung der depressiven Stimmungen
  • Erhöhung der kognitiven Aktivitäten
  • Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Förderung der Selbstkontrolle
  • Reduzierung der Angst
  • Förderung der Selbstsicherheit
  • Aufbrechen von Isolation und Einsamkeit
  • Erlangung sozialer Kompetenzen
  • Förderung der Beziehungsfähigkeit
  • Erlangen von Selbstständigkeit
  • Bessere Akzeptanz und Integration in der Gesellschaft

Allgemeines zum Therapiesetting

Ein Kontaktzeitraum mit dem Therapiehund zwischen 5 – 25 Minuten löste in den entsprechenden Studien biochemische Reaktionen aus. Empfehlungen für Interventionszeiten liegen bei 10 – 15 Minuten, für Schmerzpatienten auch bei 20 Minuten.

Häufige kurze Interventionen werden gegenüber langen, aber dafür seltenen Zeitfenstern mit den Hunden bevorzugt. Jedoch ist es nicht so, dass man lediglich von kurzzeitigen Effekten ausgeht.  Gerade bei einer regelmäßig wiederholten Intervention scheint auch die Langzeitwirkung zuzunehmen. Die Art der Intervention scheint recht banal. Häufig ist es dem Betroffenen freigestellt wie intensiv er sich mit dem Tier beschäftigt. Streicheln, kraulen und spielen lautet die Devise.

Hypothesen zur Wirkung mit dem Einsatz von Hunden

Häufig wird vermutet, dass der Erfolg der Tiergestützten Therapie auf der positiv bewerteten Beziehung zum Hund und der Aktivierung von Spielneuronen beruht. Die als  „fröhlich“ erlebte Stimmung des Hundes, die zu einem scheinbaren Lächeln hochgezogenen Lefzen, können vielleicht oftmals experimentell nachgewiesenen emotionalen und stressmindernden Effekte beim Menschen erklären. Dass der Hund unmittelbar auf Stimmungen und Verhalten des Menschen reagiert, kann im Sinne einer Spiegelung für eine verbesserte Selbstwahrnehmung benutzt werden. Neben den positiven Auswirkungen auf die vegetativen Parameter liegt hier wohl auch das Potenzial für die neuerdings angebotenen Seminare zu Burnout-Prophylaxe mit Hunden. Der Körperkontakt mit dem Tier löst ebenfalls Veränderungen von vegetativen Parametern aus und so ist es vermutlich ein komplexes Zusammenspiel bio-psycho-sozialer Faktoren, das positive Effekte durch die Therapiehunde erklären kann.

Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit

Häufig im Zusammenhang mit der Wirkung der Tiergestützten Therapien gesehen wird das Bedürfnis hoch entwickelter Lebewesen nach Aufmerksamkeit und Beachtung. „durch die Reaktion des Gegenübers, hier des Tieres, erfährt der Mensch ein Gefühl des Angenommen Werdens, was frei ist von ich bezogenen zweifeln und Ängsten.“

Hunde besitzen außerdem offenbar mehr als andere Tiere die Fähigkeit, menschliche Mimik und Gestik zu verstehen. Liegen könnte dies an einer Art „Emotionaler Co-Evolution“ von Mensch und Hund, die sich im laufe von Jahrtausenden des Zusammenlebens vollzogen hat. Doch nicht nur das gesehen werden scheint wichtig zu sein, auch der erlebten Selbstwirksamkeit im Umgang mit dem Interaktionspartner (der Hund als Versorgungsbedürftiges Wesen) wird eine positive Wirkung zu geschrieben.

Ausblick

Eine einhellige wissenschaftliche Bewertung der tiergestützten Therapien mit Hunden oder anderen Tieren gibt es derzeit nicht. Fest steht, dass in Einzelfällen und Studien mit kleineren kollektiven Betroffenen, bereits mehrfach profitiert haben. Unspezifische Effekte und widerstreitende Standards erschweren eine saubere wissenschaftliche Bewertung. Eine neugierige offene Haltung. Das bemühen um mehr Evidenz und das vermeiden unnötiger Heilsversprechen könnten auf dem Weg zu mehr Erkenntnis – wie so oft – hilfreich sein.

Kosten:

Die Kosten eines tiergestützten Besuchsdienstes werden leider nicht von den Krankenkassen übernommen. Wir hoffen, dass wir diese schon bald über die Entlastungsleistungen im Bereich der Pflege mit anbieten können.