Kraft durch Pferde

Kraft durch Pferde e.V.

Die Idee, einen Verein zur Förderung des Therapeutischen Reitens ins Leben zu rufen, entstand aus der Erkenntnis, dass durch Heilpädagogisches und Psychotherapeutisches Reiten, Hippotherapie und Reittherapie zwar sehr vielen Menschen geholfen werden kann, die Krankenkassen und andere Kostenträger diese sehr wirksamen Therapien aber zumeist nicht unterstützen.

Da viele Betroffene auf Grund von fehlenden finanziellen Mitteln diese pferdegestützten Therapien nur unzureichend oder gar nicht erhalten können, haben wir 2016 einen Verein gegründet, der diese Menschen unterstützen soll.

Hier bieten wir heilpädagogisches Reiten, therapeutisches Reiten, psychotherapeutisches Reiten sowie Selbsterfahrung und Achtsamkeitstraining mit Pferden für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an.

Warum Pferde?

Seit Urzeiten begleiten die Pferde uns Menschen, wir finden sie in vielen Mythen als Archetypus für Stärke, Kraft, Energie und Weisheit. Dabei stellt sich die Frage, warum sich gerade Pferde so gut als Lehrmeister für Therapie, Selbsterfahrung und Wachstum eignen und wie Pferd und Mensch miteinander kommunizieren.

Pferde waren und sind ein wichtiger Grundstein unserer heutigen Welt. Während wir Menschen auf diesem Weg häufig die Beziehung zu unserem ursprünglichen Sein verloren haben, haben die Pferde sich diese erhalten. So können sie uns in der Reittherapie helfen, wieder zum Wesentlichen – also zu uns selbst – zurückzufinden.

In jeder Gesellschaft wird kommuniziert, ob zwischen Menschen oder in einer Pferdeherde.

Wer Pferde beobachtet, wird feststellen, dass sie nonverbal kommunizieren, mit sehr feinen Gesten, Bewegungen. Je ranghöher ein Tier ist, desto weniger muss es sich durch sein Verhalten beweisen. Dies ist auch bei uns Menschen nicht anders, nur lassen wir uns bei unserer Einschätzung gerne von Äußerlichkeiten blenden. In unserer Wahrnehmung geht es häufig mehr um Schein als Sein.

Auch kann durch die Beobachtung einer Pferdeherde ein Transfer in den eigenen Alltag gefunden werden.

„Das Pferd vereinigt in seinem Wesen wie kaum ein anderes Tier Autonomie und Unabhängigkeit ebenso wie soziale Bezogenheit und Bindung. Als Herdentier kennt es seinen Platz zwischen Führung und Unterordnung und nimmt ihn wie selbstverständlich ein. So gibt es verschiedene Begegnungs- und Beziehungsformen zwischen Menschen und Pferd, die jeweils sowohl dem Potenzial des Pferdes wie auch der inneren Entwicklungsstufe des Menschen entsprechen.“ (Mehlem in Psychotherapie mit dem Pferd; 2005; S.21).

Pferde sehen unser wirkliches Ich, unsere Schwächen und Stärken. Entscheidend für die Reaktion des Pferdes auf uns sind unsere Körpersprache und die nonverbalen Signale, die wir (unbewusst) aussenden. Sind wir innerlich unsicher, ohne Selbstvertrauen in unsere Instinkte und Fähigkeiten, wird uns das Pferd sicher nicht gerne folgen. Die Erklärung dafür ist einfach: In der Herde hängt für die Pferde das Überleben davon ab, wem sie vertrauen. Das Leittier führt die Herde an, es gibt dem einzelnen Pferd Sicherheit. Um uns zu vertrauen, sich von uns beschützt zu fühlen und uns zu folgen, muss es diese Sicherheit auch bei uns Menschen fühlen. Oft sind auch wir nicht bereit, dem Pferd in seinem Verhalten uns gegenüber zu vertrauen, weil das Pferd sich eben nicht von Äußerlichkeiten beeinflussen lässt.

„Der Mensch sieht im Pferd nur zum Teil tatsächlich das Pferd. Was er außerdem findet, ist ein Abbild seiner eigenen inneren Landschaft, eine Projektion seiner Seele. Der eine sieht im Pferd die Kraft, der Zweite die Schönheit, ein Dritter die Sanftheit… alles sind Aspekte des Pferdes und zugleich Projektionen der Kraft, der Schönheit, der Sanftheit des Betrachtenden. So begegnet der Mensch in diesem Spiegel seinem Schatten, gemeint sind jene Anteile seiner Persönlichkeit, die er versucht hat, ins Unbewusste zu verdrängen, und die sich nun in seiner Wahrnehmung des Pferdes oder auch in der konkreten Resonanz des Tieres offenbaren.“ (Mehlem in Psychotherapie mit dem Pferd; 2005; S.22) Was jeder von uns also mit dem Pferd verbindet – ob Kraft und Stärke, Anmut, Schönheit oder Sanftheit– erlaubt Rückschlüsse auf unsere ureigenen Wünsche.

Wir Menschen gehen mit den Reaktionen des Pferdes auf uns sehr unterschiedlich um. Gerne werden sie negiert oder an das Pferd zurückgegeben. Innerliche Anspannung, Unzufriedenheit und Frust entladen sich dann gegenüber dem Pferd. Wenn wir uns die Mühe machen, auf unseren Körper zu hören und unseren Empfindungen nachgehen, können wir die wirklichen Ursachen für unsere Reaktion finden. Haben wir sie erkannt, können wir sie verarbeiten und damit unser Leben insgesamt zufriedener und glücklicher gestalten. In der Hektik des Alltags verlernen wir es häufig, auf uns selbst zu hören. Das Pferd kann hier helfen, zu sich selbst zurückzukehren.

Tiere haben einen viel direkteren Zugang zu ihren Bedürfnissen, sie leben authentisch und im Hier und Jetzt. Ihre Moral ist eine andere. Pferde haben viele Botschaften an uns – im spirituellen Sinn. Sie haben tatsächlich heilende Kräfte bzw. dazu einen viel direkteren Zugang als wir Menschen. Wer mit offenem Herzen mit Tieren Zeit verbringt, wird Erkenntnisse über sich selbst gewinnen. Und wer schon einmal erlebt hat, wie Pferde z.B. pädagogische oder therapeutische Arbeit für Menschen leisten, wird bestätigen, dass der Mensch nur passiv und staunend danebenstehen kann. Das Tier übernimmt intuitiv das Ruder.

In unserer Vereinsarbeit erfolgt der direkte Kontakt mit einzelnen Pferden im geschützten Raum auf dem Reitplatz oder in einer Reithalle. Grundlage ist zunächst die Führarbeit am losen Strick oder auch ganz frei. Es ist für jeden ein erhebendes Gefühl, wenn das Pferd dem Menschen schließlich aus freien Stücken folgt – ohne Strick oder sonstigen Druck – und dabei verschiedene Hindernisse und Aufgaben bewältigt. Mit gewonnener Sicherheit im Umgang mit dem Pferd (und uns selbst) kann auch das Reiten ein Bestandteil werden. Sich tragen zu lassen, loszulassen, sich dem Tier anzuvertrauen, ist ein schönes Bild, das man in seinen Alltag mitnimmt. Die anfängliche Sicherheit des Reitplatzes wird später eingetauscht durch die Natur z.B. durch Führübungen im Wald oder Spaziergängen durchs Gelände.

Durch die Corona-Pandemie waren und sind auch wir als Verein stark betroffen. Menschen, die seit Jahren wöchentliche Reittherapiestunden bei uns wahrnehmen, durften den Stall und die Pferde von heute auf morgen nicht mehr besuchen. Gerade für psychisch erkrankte Menschen ist das schwer zu verstehen und kann ihren Gesundheitszustand wieder verschlechtern. Viele Eltern sind mit ihren Kindern ab und zu an unseren Koppeln spazieren gegangen damit die Kinder zumindest einen Blick auf die Pferde erhaschen konnten. Oft standen dann die Kinder weinend am Zaun, sie konnten nicht verstehen warum ein Besuch bei ihren Pferdefreunden wochenlange nicht möglich ist.

Unsere angenommene Sicherheit wurde durch die Pandemie stark reduziert, wir fühlten uns hilflos, unsere Gesundheit, unser sozialer Stand wurde bedroht. Die Gemeinschaft wurde reduziert, Kontakte mit uns wichtigen Personen waren verboten, wichtige Rituale sind weggefallen. Das macht etwas mit uns – mit uns Therapeuten und Pädagogen genauso wie mit unseren Klienten.

Ein großes Thema ist auch, dass „Problem-Familien“ erstmal aus dem Blick gefallen sind. Wir arbeiten eng mit dem Jugendamt und Jugendhilfeeinrichtungen zusammen, doch auch hier war der Austausch und Kontakt in den letzten Monaten nur sehr eingeschränkt möglich – zu Lasten vieler hilfsbedürftigen Familien und vor allem deren Kinder.

Dennoch: Abstand kann auch eine gute Form in der pädagogischen Arbeit sein.

Abstand bedeutet auch neue Perspektiven einzunehmen, einen Neuanfang zu beginnen. Auch verbinden gemeinsame Abstandsregeln, es gilt diese zum Wohle aller zu befolgen. Die letzten Wochen haben uns viel gelehrt. Wir alle achten mehr auf unsere Mitmenschen und haben kreative Ideen entwickelt, uns zu betätigen. Vor allem: Abstand zeigt uns den Wert von Nähe. Nie haben wir unsere Lieben mehr vermisst – obwohl sie vielleicht nur ein paar Straßen weiter wohnen.

Seit dieser Woche dürfen wir nach monatelanger Pause wieder die Arbeit mit den Pferden aufnehmen, die ersten Klienten dürfen wieder zu ihren geliebten Tieren kommen. Wir freuen uns sehr, unsere Vereinsarbeit langsam wieder aufnehmen zu dürfen und schrittweise in eine gewisse „neue“ Normalität zurückzukehren. Zum Glück helfen uns auch hier wieder die Pferde!

Das Anliegen unseres Vereins:

  • Anteilige Kostenübernahme der Therapie von finanzschwachen Klienten/Patienten, um so eine für sie wichtige Therapieeinheit ermöglichen zu können.
  • Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung des Therapeutischen Reitens
  • Fort-und Weiterbildungen im Rahmen des Therapeutischen Reitens



    Mehr Informationen unter www.kraftdurchpferde.de