Ein kleines Frühchen ist an Kabel angeschlossen, die Mutter hält die kleine Hand
Finanzierung Geburtsschadenprozess

Finanzierung Geburtsschadenprozess

Welche Möglichkeiten habe ich einen Geburtsschadenprozess zu finanzieren:

Die Frage der Finanzierung eines solchen Prozesses ist für die Betroffenen von allergrößter Bedeutung und letztendlich auch entscheidend für den Erfolg.

Voraussetzung: ein uneingeschränktes Vertrauensverhältnis:

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Anwalt und Mandant kann nur gelingen, wenn ein absolutes Vertrauensverhältnis besteht. Wesentlicher Bestandteil dieses Vertrauens ist die uneingeschränkte Offenlegung der Kostenfrage. Der Mandant muss wissen: Wie kann ich einen solchen Prozess oder ein solches Verfahren finanzieren? Was kommt im Extremfall an Kosten auf mich zu und wie kann ich mein Kostenrisiko minimieren?

All diese Fragen sind vor oder bei der Mandatsannahme zu klären, und wenn eine von der gesetzlichen Gebührenregelung abweichende Regelung getroffen wird, ist diese selbstverständlich schriftlich zu fixieren. Nur so wird die notwendige Transparenz und Klarheit geschaffen und damit die Grundlage für das so wichtige und grundlegende Vertrauen.

Eingehende Prüfung der Erfolgsaussichten:

Vor der Frage, wie ein solches Verfahren finanziert werden kann, muss unbedingt die Vorfrage geklärt werden: Wie hoch sind die Erfolgsaussichten?

Geburtsschadensfälle haben eine ganz besondere Stellung und besondere Dynamik im Vergleich zu allen anderen Rechtsstreitigkeiten.

Stets ist durch das Drama der Schwerstschädigung des Kindes das gesamte Familienleben erschüttert. Von jetzt auf gleich sind alle Lebensträume vernichtet und der Zug fährt in eine völlig andere Richtung. Ist die Familie mit einem schwerstbehinderten Kind nur auf staatliche Unterstützung angewiesen, so ist der Spießrutenlauf bereits vorgezeichnet. Eine noch so hohe Entschädigung macht das Kind zwar nicht gesund, ein hoher Geldbetrag sorgt jedoch dafür, dass das Kind in einem behüteten, therapeutisch optimal ausgestatteten Umfeld aufwächst. Die Eltern sind befreit von den Existenzängsten und damit wesentlich entspannter. Zu wissen, dass das Kind ein Leben lang optimal versorgt wird, auch wenn die Eltern selbst diese Versorgung nicht mehr leisten können, ist eines der Hauptanliegen aller Betroffenen.

Ein Arzthaftungsprozess stellt im Hinblick auf das gesamte Zivilrecht bereits eine Besonderheit dar. Wenn es um einen Geburtsschaden geht, so sind hier nochmals ganz spezifische Besonderheiten zu beachten. Ein Prozessverfahren in diesem Bereich kann Jahre dauern, im Extremfall ein Jahrzehnt und mehr. Den betroffenen Eltern ist in fast allen Fällen nicht bewusst, wie belastend ein solches Verfahren ist. Es beschäftigt die Betroffenen täglich, vor allem aber auch während der Nacht.

Die Gegenseite, das sind meist nicht die Ärzte, sondern die dahinterstehende Haftpflichtversicherung, wehren sich mit allen Mitteln und diese Mittel sind nicht immer fair. Es geht um sehr viel Geld und hier – so kann man fast annehmen – ist alles erlaubt.

Oberstes Gebot: Prozessvermeidung durch qualifizierte Gutachten:

Der oberste Grundsatz für einen Anwalt, der in einem solchen Fall beauftragt wird, muss also lauten: Vermeide den Prozess!

Wie ist dies möglich?
In Arzthaftungsfällen muss das Gericht von Amts wegen stets ein Sachverständigengutachten einholen und auf dessen Grundlage seine Entscheidung fällen. Wenn die Eltern vor Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens selbst ein Gutachten einholen, das den Behandlungsfehler bestätigt, besteht die gute Chance, die Klage zu vermeiden und die Versicherung zur außergerichtlichen Regulierung zu bewegen.

Voraussetzung ist allerdings, dass dieses Gutachten von einem anerkannten Sachverständigen erstellt wird und hochqualifiziert ist.
Ganz aktuell ist es unserer Kanzlei gelungen, zwei Geburtsschadensfälle in die außergerichtliche Regulierung zu bringen, weil „unser“ Sachverständiger hochqualifiziert ist und dessen Gutachten von der jeweiligen Gegenseite anerkannt wird.

Führt ein solches Gutachten zur Vermeidung des Rechtstreits und zur schnellen Regulierung des Schadens, unter Umständen sogar innerhalb eines Jahres, so ist es von unschätzbarem Wert. Kommt es dennoch zu einem Prozess, weil die Versicherung sich weigert, trotz der klaren Aussage in die Regulierung einzutreten, ist dieses Gutachten auch dann noch von unschätzbarem Wert. Bei einigen Versicherern, insbesondere bei kommunalen Versicherern, wie KSA oder GVV etc., ist die Verweigerung der Regulierung leider der Regelfall. Dort kommt es so gut wie nie zu einer außergerichtlichen Schadensregulierung.

Wichtig ist das Gutachten im Falle des Prozesses deshalb, weil der gerichtliche Gutachter die Aussagen des Kollegen nicht einfach ignorieren darf. Er muss sich mit ihnen auseinandersetzen und wenn Widersprüche auftreten, muss das Gericht diese aufklären. Gelingt dies nicht, muss zwangsläufig ein weiteres Sachverständigengutachten eingeholt werden. Da der von uns eingesetzte Gutachter bundesweit höchstes Ansehen genießt, wird sich ein gerichtlicher Sachverständiger in aller Regel nicht gegen ihn stellen, weil er seine anders lautende Auffassung vor Gericht vertreten muss. Im Extremfall muss er sich mit diesem Gutachter persönlich im Gerichtssaal auseinandersetzen. Dies will der gerichtliche Gutachter in aller Regel vermeiden, selbst wenn er noch so befangen ist, wird er sich nicht gegen den anerkannten Gutachter stellen.
Damit ist dann auch der erste Schritt für den Erfolg im Prozess gegangen.

Die Kosten für das außergerichtliche Gutachten müssen die Eltern tragen. Auch eine Rechtschutzversicherung kommt für diese Kosten nicht auf. Um das Kostenrisiko zu minimieren, vereinbaren wir mit dem Gutachter stets eine Vorabprüfung, um die Chancen der Feststellung eines Behandlungsfehlers im Vorfeld zu prüfen. Diese Vorabeinschätzung kostet 400 € zzgl. MwSt.

Schließt sich dann ein Gutachten an, weil der Gutachter den Behandlungsfehler erkennt, werden diese Kosten angerechnet. Im Durchschnitt kostet ein Gutachten zwischen 1.500 € und 2.000 €. In besonders umfangreichen Fällen auch einmal etwas mehr.

Sinnvolle Vorgehensweise

Ich denke, dass diese Vorbemerkung für die betroffenen Eltern von großer Bedeutung ist, denn die Entscheidung, ein Arzthaftungsverfahren einzuleiten, hat, wie sich auch im Folgenden zeigt, weitreichende Folgen. Nach dieser m. E. wichtigen Vorbemerkung komme ich nun zu der von Ihnen gestellten Kostenfrage: Es geht um Anwalts- und Gerichtskosten.

In unserer Kanzlei prüfen wir zunächst selbst die Erfolgsaussichten. Wir haben gerade im Sektor Geburtsschäden langjährige Erfahrung und können sehr viele Fehler erkennen, zumindest die Richtung einschätzen, in die es gehen wird. Wenn wir die Erfolgsaussichten bejahen, beziffern wir für die Eltern überschlägig den Gesamtschaden, basierend auf den Informationen und Arztberichten, die uns zu diesem Zeitpunkt schon vorliegen. Wir zeigen auf, welcher Weg der erfolgversprechendste und schnellste ist. Bis zu diesem Zeitpunkt entstehen für den Mandanten keine Kosten, auch wenn bereits umfangreiche Korrespondenz erfolgt ist.

Wir sind der Auffassung, dass wir den Anfragern zunächst einmal die Möglichkeiten aufzeigen und auch die Erfolgsaussichten einschätzen müssen, bevor diese eine so weitreichende Entscheidung treffen können.

Wichtig: Von der gesetzlichen Regelung abweichende Gebührenvereinbarung stets schriftlich vertraglich festhalten:

Vor der Mandatserteilung ist dann die Kostenfrage zu klären. Hier ist zu unterscheiden, ob

  1. eine Rechtschutzversicherung besteht,
  2. die Eltern aufgrund ihres Einkommens und Vermögens in der Lage sind, den Prozess selbst zu finanzieren,
  3. Prozesskostenhilfe in Betracht kommt,
  4. eine Prozessfinanzierung durch einen professionellen Prozessfinanzierer sinnvoll ist,
  5. ein Erfolgshonorar vereinbart werden soll.

Zu 1. Rechtsschutzversicherung vorhanden

Eine Rechtschutzversicherung hat für die Kosten des Verfahrens aufzukommen. Sind die Erfolgsaussichten zu bejahen, übernimmt die Rechtschutzversicherung die außergerichtlichen Kosten des beauftragten Anwalts, nicht jedoch die Kosten eines außergerichtlich eingeholten Gutachtens.

Kommt es zum Prozess, übernimmt die Rechtschutzversicherung die Gerichtskosten, die Kosten des eigenen Anwalts, die Gutachterkosten, die Teil der Gerichtskosten sind, die Kosten für Zeugenentschädigungen und im Falle der Niederlage auch die vollständigen Kosten des gegnerischen Anwalts. Wenn eine ausreichende Deckungssumme mit der Versicherung vereinbart wurde, sind damit alle möglichen Instanzen, also das Verfahren vor dem Landgericht, vor dem Oberlandesgericht in der Berufung und einer möglichen Revision vor dem Bundesgerichtshof, abgedeckt.

Obwohl die Rechtschutzversicherung die Anwaltsgebühren nach der Gebührenordnung für Rechtsanwälte (RVG) übernehmen muss, gilt es, hier Einschränkungen zu machen.

zu 2: Eigenfinanzierung/ Erfolgshonorar

Wie aus dem zuvor Gesagten bereits ersichtlich wird, ist ein Geburtsschadensverfahren von besonderer Schwierigkeit und besonderem Umfang und in aller Regel auch von besonderer, d.h. langer Dauer. Mit den Gebühren, die das RVG dem Anwalt zubilligt, ist ein solches Verfahren in sehr vielen Fällen nicht kostendeckend zu führen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Sachverhalt kompliziert ist, mehrere Gutachten vorliegen, unter Umständen auch mehrere Beklagte (Krankenhaus, Gynäkologe, Hebamme) auf der Gegenseite stehen. Ein Anwalt allein ist nicht in der Lage, dieser Anzahl von Gegnern und unter Umständen auch Gutachtern gegenüber zu treten. Wir bearbeiten Arzthaftungsfälle vor allem im Geburtsschadensbereich daher immer im Team. Wichtige Termine, vor allem, wenn eine Gutachterbefragung stattfindet, werden durch uns von zwei Fachanwälten wahrgenommen, gleichgültig, bei welchem Landgericht oder Oberlandesgericht dieser Termin stattfindet.

Da das Gesetz eine Erfolgshonorarvereinbarung dann nicht zulässt, wenn eine Rechtschutzversicherung besteht, vereinbaren wir gerade in diesen Fällen mit den Eltern, dass wir nach erfolgreichem Abschluss des Falles noch einmal die Gebührenfrage aufgreifen mit dem Ziel, eine zusätzliche Vergütung zu vereinbaren.

Die Eltern entsprechen in aller Regel dieser Bitte, denn das Wichtigste für die Durchsetzung der Ansprüche des Kindes und der eigenen Ansprüche ist es, qualifiziert vertreten zu werden. Die Eltern erkennen an, dass ein besonderer Aufwand zu dem Erfolg geführt hat und der besondere Aufwand auch eine besondere Vergütung verdient.
Man kann nicht im Voraus sagen, in welcher Größenordnung sich diese zusätzliche Vergütung bewegt. Sie ist abhängig vom Aufwand, der Zeitdauer und natürlich auch vom Erfolg selbst. In aller Regel reden wir hier von 5 - 10 % des erstrittenen Betrages.

Zu betonen ist an dieser Stelle, dass der Auftraggeber, also die Eltern, immer wissen müssen, dass diese Leistung freiwillig erfolgt und keine rechtliche Verpflichtung hierzu besteht. Hierauf weisen wir stets, auch wiederholt, ganz konkret hin. Wenn die Eltern trotz eines erzielten Erfolgs die Gebührenfrage nicht mehr ansprechen wollen, sind uns die Hände gebunden. Wir haben keinerlei Handhabe, weitere Ansprüche durchzusetzen. Erlebt haben wir einen solchen Fall bisher jedoch noch nicht.

Zu 3. Beratungshilfe / Prozesskostenhilfe/ Risikominimierung

Ein Geburtsschadensverfahren kann alleine über Beratungs- und Prozesskostenhilfe in keiner Weise kostendeckend geführt werden. Ist dies bereits in Rechtsschutzversicherungsfällen oft nicht möglich, so decken die PKH-Gebühren nicht einen Bruchteil der entstandenen Kosten, geschweige denn ist ein Gewinn zu erzielen. Wir erhalten je nach Instanz hier zwischen 1.000 und 1.500 €. Demgegenüber steht oft eine Arbeitsleistung von mehreren Anwälten mit mehreren 100 Stunden Einsatz.

Beratungshilfe beanspruchen wir nie. Der Verwaltungsaufwand, um hier eine Beratungsgebühr von vielleicht 150 € zu erhalten, steht in keinem Verhältnis zu dem tatsächlichen Betrag, der dann gezahlt wird. Aus diesem Grunde beraten wir Anfrager bis zur Erteilung des Mandats kostenlos.

Prozesskostenhilfe beantragen wir, wenn ein Prozess notwendig wird, weil über diesen Weg zumindest die doch erheblichen Gerichts- und Sachverständigenkosten abgedeckt werden. Wir verzichten aber in solchen Fällen stets auf unsere Beiordnung, weil wir solche Fälle nur dann übernehmen können, wenn wir ein Erfolgshonorar vereinbaren.

Das Erfolgshonorar, zu dem ich später noch einmal ausführlich komme, war bis zum Jahr 2008 nicht zulässig. Aufgrund einer verfassungsgerichtlichen Entscheidung musste der Gesetzgeber die entsprechende Vorschrift ändern. Seit 2008 gilt also das neue Gesetz, wonach derjenige, der auch Prozesskostenhilfe beanspruchen kann, auch die Möglichkeit hat, ein Erfolgshonorar zu vereinbaren.

Erfolgshonorar heißt: Der Rechtsanwalt vereinbart für den Erfolgsfall mit dem Mandanten einen bestimmten Betrag oder einen bestimmten Prozentsatz des erstrittenen Betrags als Erfolgshonorar. Wird die Sache nicht erfolgreich beendet, kommt es also nicht zu einer Schadenersatzleistung, so erhält der Anwalt keine Gebühren.

Die Prozesskostenhilfe deckt nur die Gerichtskosten und die Kosten des eigenen Anwaltes. Verlieren die Eltern den Prozess, so müssen sie die Kosten der Gegenseite tragen. Bei einem Streitwert von 1,5 oder 2 Mio € ist dies ein sehr hoher Betrag. Um dieses Risiko zu vermeiden, gehen wir in solchen Fällen den Weg der Teilklage, d.h., wir klagen nur einen Betrag von z.B. 5.000 € ein. Im Falle des Unterliegens liegt das Kostenrisiko für die Eltern bei gerade einmal 1.000 € für die Anwaltskosten der Gegenseite. Die Gerichtskosten sind durch PKH abgedeckt und aufgrund der Erfolgshonorarvereinbarung fallen auf unserer Seite keine Gebühren kann.

Im Teilklageverfahren wird dann ein gerichtliches Gutachten einholt. Bestätigt dieses den Behandlungsfehler, so steht die Tür für neue Verhandlungen offen. Alternativ kann man zu diesem Zeitpunkt auch die Klage auf den tatsächlichen Streitwert erhöhen, da sich das Risiko durch das positive Gutachten weitestgehend neutralisiert hat.

Zu 4. Prozessfinanzierer

Prozesskostenfinanzierung bedeutet, dass eine Firma alle Kosten eines Prozesses einschließlich aller Gutachten durch alle Instanzen übernimmt und auch für den Fall der Niederlage die Kosten der Gegenseite trägt. Dafür erhält sie im Erfolgsfall eine Beteiligung von in der Regel 30 % oder auch mehr des erstrittenen Betrages. Der Prozesskostenfinanzierer selbst prüft die Erfolgsaussichten noch einmal gesondert und holt auch ggf. eigene Gutachten ein.

Wir haben bisher nur in wenigen Ausnahmen Prozessfinanzierer eingeschaltet, weil wir der Auffassung sind, dass bei guten Erfolgsaussichten eine Prozessfinanzierung nicht erforderlich ist.

Inzwischen arbeiten wir aber sehr eng mit der Roland-Prozessfinanz-AG zusammen, die sich gerade auch auf die Finanzierung von Geburtsschadensfällen spezialisiert hat. Wir haben hier eine vertragliche Vereinbarung, wonach wir unsere Gutachter einschalten können. Dies ist für uns sehr wichtig, weil wir zu diesen Gutachtern das nötige Vertrauen haben. Die Kosten hierfür, d.h., auch für die außergerichtliche Einschaltung des Gutachters, trägt die Roland-Prozessfinanz-AG. Für die Eltern fallen keine zusätzlichen Kosten an. Auf unserer Seite entstehen keine Kosten, weil wir diese intern mit der Roland-Prozessfinanz abrechnen.

Diese Möglichkeit der Finanzierung bevorzugen wir in geeigneten Fällen, wenn es darauf ankommt, die Erfolgsaussichten intensiv im Vorfeld zu prüfen.

Zu 5. Erfolgshonorar

Wie bereits in der Bemerkung zu Ziffer 3 erwähnt, ist das Gesetz zum Erfolgshonorar noch recht jung. Es erlaubt dem Rechtssuchenden, der nicht in der Lage ist, den Prozess selbst zu finanzieren, ein Erfolgshonorar zu vereinbaren, wenn keine Rechtsschutzversicherung zur Verfügung steht.

Der Anwalt erhält dann einen Anteil des erstrittenen Betrages. In unserer Kanzlei in Geburtsschadensfällen z.B. 25 % und wenn die Haftung zuvor schon geklärt ist, auch 20 %. Dieses Honorar erhalten wir nur dann, wenn wir auch Erfolg haben. Haben wir keinen Erfolg, so haben die Mandanten keine Anwaltsgebühren an uns zu zahlen, es fallen allenfalls geringe Kosten an für die Beschaffung von Behandlungsunterlagen oder ärztlichen Attesten. Es handelt sich um überschaubare Beträge von vielleicht max. 100 – 200 €.

Ein Restrisiko wird man niemals vermeiden können, aber wenn ein hochqualifiziertes Gutachten vorliegt, das den Fehler bestätigt, wird die Sache auch in aller Regel zu Gunsten des Kindes und seiner Eltern entschieden werden. Hier muss man auf die Erfahrung des beauftragten Anwalts vertrauen. Wie sich zeigt, bestehen für alle Konstellationen Möglichkeiten der Finanzierung des Verfahrens.

Zu beachten ist allerdings noch einmal, dass man über Prozesskostenhilfe ein Arzthaftungsverfahren nicht führen kann und über die normalen RVG–Gebühren nur sehr eingeschränkt und nur sehr in kleineren Fällen. Zumindest ist eine qualifizierte Vertretung bei dieser Variante nicht möglich.

Zusammenfassung und weitere Fragen:

Die Durchsetzung der Schadenersatzansprüche in Geburtsschadensfällen ist für das Kind und die Eltern von entscheidender Bedeutung und stellt die Weichen für die Zukunft. Aus diesem Grunde sollten die Eltern den Weg zum Anwalt nicht scheuen. Sie sollten sich zumindest eingehend beraten lassen. Wichtig ist, dass diese Beratung durch ein auf Geburtsschäden spezialisiertes Anwaltsbüro stattfindet. Ein Auftrag sollte nur dann erteilt werden, wenn ein uneingeschränktes Vertrauensverhältnis besteht und alle Fragen, insbesondere die Gebührenfrage lückenlos geklärt ist. Eine schriftliche Vereinbarung muss auf jeden Fall erfolgen, wenn von der gesetzlichen Gebührenregelung abgewichen wird.

Gebührennachforderung durch den Anwalt:

Sie, sehr geehrte Frau Thöne, hatten dann noch die Frage gestellt, ob es möglich ist, dass Anwälte auch im Nachhinein ein zusätzliches Honorar verlangen, ohne dass dies zuvor besprochen wurde. Die Antwort heißt: Ja, natürlich kann ein Anwalt dies tun. Es herrscht Vertragsfreiheit. Es bleibt aber bei der bereits oben genannten Einschränkung. Jede zusätzlich zu den gesetzlichen Gebühren geleistete Zahlung erfolgt freiwillig und wenn der Mandant/die Eltern dies ablehnen, gibt es keine Möglichkeit für den Anwalt, zusätzliche Kosten geltend zu machen.

Korrekte Vorgehensweise:

Allerdings widerspricht dies der von uns geforderten Offenheit, gerade in Gebührenfragen. Der Mandant sollte im Vorfeld wissen, dass bei einem erfolgreichen Abschluss die Gebührenfrage noch einmal thematisiert wird. Dann macht es auch für beide Seiten keine Probleme, wenn der Anwalt nach erfolgreichem Abschluss die Frage nach einer zusätzlichen Vergütung stellt. In aller Regel wird man jetzt eine vernünftige Lösung finden.

Noch einmal zur Verdeutlichung. Dies gilt nur für den Fall, dass keine schriftliche Gebührenvereinbarung steht. Besteht eine schriftliche Vereinbarung, hat diese natürlich Vorrang.

Abfindungs- oder Rentenlösung:

Ihre Frage, dass Familien nach Abschluss des Prozesses Probleme hatten, von den Versicherungen ihr Geld zu bekommen, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn eine Vereinbarung außergerichtlich getroffen wurde, d.h. ein Abfindungsvergleich geschlossen wurde, muss die Versicherung bezahlen – ohne wenn und aber. Gleiches gilt natürlich auch dann, wenn die Versicherung bzw. der Arzt oder die Klinik zum Schadenersatz verurteilt wurden.

Die Frage der Finanzierung von Therapien ist grundsätzlich im Laufe des Verfahrens zu klären, wenn diese Therapien im Rahmen der vermehrten Bedürfnisse, im Regelfall in erster Linie Pflege- und Betreuungsaufwand, aber auch der weiteren vermehrten Bedürfnisse, d.h. zusätzliche Therapien wie z.B. Delphintherapie, Reittherapie o.ä. angezeigt sind. Hierfür muss die Versicherung aufkommen, wenn diese Therapien ärztlich befürwortet und für erforderlich erachtet werden. Dies ist immer dann der Fall, wenn eine bestimmte Therapie entscheidende Bedeutung zur Aufrechterhaltung der körperlichen und geistigen Funktion und deren Förderung ist.

Hier ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen Anwalt und Arzt und auch Eltern gefordert. Um den Dauerstreit, der dann zeitlebens des Kindes mit der Versicherung geführt werden muss, zu vermeiden, empfehlen wir in fast allen Fällen eine Abfindungslösung. Dies bedeutet, die Eltern erhalten einen Einmalbetrag, der das Schmerzensgeld und den Schaden für die Vergangenheit und die Zukunft umfasst. Da der Gesamtschaden für die Zukunft, also für einen Zeitraum von meist mehreren Jahrzehnten, heute auf einmal ausgezahlt wird, muss eine entsprechende Abzinsung erfolgen. Am Ende soll jedoch der Kapitalbetrag den gleichen Wert haben wie eine fortlaufende lebenslange Rentenzahlung.

Mit dem Kapitalbetrag - sagen wir 2 Mio € - können die Eltern dann die notwendigen Umbaumaßnahmen, evtl. einen Neubau, einen behindertengerechten PKW und die von ihnen für erforderliche gehaltenen Therapien finanzieren. Der Streit mit der Versicherung ist dann ein für alle mal beigelegt. Betroffene Eltern wissen, was ein solcher Streit mit der Versicherung bedeutet, nämlich jahrelange extreme Belastung, Stress, Ärger, Ängste, Wut, Verzweiflung. Alle dies ist mit einer Abfindungslösung endgültig erledigt und nach einer gewissen Zeit stellen die Betroffenen fest, dass ein völlig anders Leben beginnt, entspannt und ohne Angst.

Noch eines ist an dieser Stelle wichtig zu erwähnen: Leider kann man nicht wegdiskutieren, dass viele der betroffenen Kinder keine „normale“ Lebenserwartung haben, d.h., es besteht manchmal ein hohes Vorversterbensrisiko. Realisiert sich dieses Risiko, findet an dieser Stelle die Rentenzahlung der Versicherung ihr Ende.

Ich kann allen betroffenen Eltern nur raten, sich nicht davon abhalten zu lassen, die Ansprüche ihres Kindes und ihre eigenen Ansprüche durchzusetzen, auch wenn es noch so oft heißt, man habe keine Chance gegen die Ärzte oder das finanzielle Risiko sei zu hoch. Es geht um die Existenz des Kindes und die eigene Existenz. Deshalb muss zumindest die Frage der Erfolgsaussicht gründlich geprüft werden. Hätten wir nicht in sehr vielen Fällen Erfolg, könnten wir unsere Kanzlei, die sich ja ausschließlich mit Arzthaftungsrecht befasst, überhaupt nicht führen.

Ich möchte allen Eltern Mut machen, diesen Schritt zu gehen. Es gibt genügend qualifizierte Anwaltskanzleien, zu denen die Eltern Vertrauen haben können. Nur wenn dieses Vertrauen uneingeschränkt geschaffen werden kann, sollte ein entsprechender Auftrag erteilt werden und alle wichtigen Dinge, insbesondere die Gebührenfrage, schriftlich geregelt werden.

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