ein junger Mann im Rollstuhl bei der Arbeit am Laptop mit zwei Kollegen
Inklusion in den 1. Arbeitsmarkt

Interview Delphin-Netzwerk

„Inklusion hat mit einer gewissen Hartnäckigkeit zu tun“

Robert Freumuth

Robert Freumuth ist Inklusionsbeauftragter der diwa Personaldienstleistung GmbH. Der 41-Jährige ist ein gefragter Experte, wenn es um Diversity und Inklusion in der Arbeitswelt geht. Ein Gespräch über Zeitarbeit als Chance in die Berufswelt.

Hier finden Sie ein Vorwort und das vollständige Interview mit Herrn Freumuth.

Vorwort von Robert Freumuth

DN: Wie lange arbeiten Sie mit Menschen mit Behinderung und wie kam es überhaupt dazu?

Robert Freumuth: Während meines Studiums hatte ich mich auf eine Teilzeitstelle beim Behindertensportverband in Bayern beworben und wurde zum Koordinator für den Sportbereich. In der Funktion habe ich dann in sehr kurzer Zeit viele Sportler und Funktionäre mit Behinderung kennengelernt. Sie standen alle voll im Leben und haben mich nachhaltig so beeindruckt, dass ich auch einen Beitrag im dem Themenkomplex leisten wollte. Seit diesem Zeitpunkt bin ich beruflich eng mit den Themen: Rehabilitation, Prävention und Inklusion verbunden geblieben.

DN: Wir reden aktuell viel über eine inklusive Arbeitswelt. Wo sehen Sie die größte Hürde?

Freumuth: Eine große Hürde ist die oftmals fehlende Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung. Einige Unternehmen trauen sich nicht, Menschen mit Handicap einzustellen. Auch wenn die Schaffung von Arbeitsstellen gefördert wird, erfordert die Praxis oftmals viel Ausdauer, um die zuständigen Organisationen und Kostenträger zu finden und alle nötigen Informationen zusammenzutragen. Inklusion hat also auch mit einer gewissen Hartnäckigkeit zu tun.

DN: Sie arbeiteten lange für eine Stiftung und wechselten dann auf die Unternehmensseite – wieso?

Freumuth: Wenn man in einem Unternehmen tätig ist, das die Vorteile von Inklusion und Diversity erkannt hat, kann man zügig und effektiv einen ganz konkreten Beitrag zur Inklusion leisten, etwa wenn eine Person mit Behinderung angestellt wird.

DN: Was konnten Sie schon bewirken und was wollen Sie noch bewegen?

Freumuth: Inklusion wurde inzwischen fest in der Unternehmenskultur von diwa verankert. Nicht nur unsere Partner und unsere Kunden, auch die Kollegen geben viele positive Rückmeldungen. Wir schauen nicht darauf, was jemand nicht kann, wir richten unseren Fokus auf die Talente unserer Bewerber und Kollegen. Für diwa möchte ich erreichen, dass wir noch mehr Bewerbungen von Menschen mit Behinderung erhalten.

DN: Kann Zeitarbeit eine Chance für Menschen mit Behinderung sein?

Freumuth: Über die Einstellung bei einem Personaldienstleister kann jeder seine Fähigkeiten zunächst mal testen und auch zeigen. Wir sind sehr erfahren in der Rekrutierung, insbesondere auch in der Vermittlung von Quereinsteigern, Wiedereinsteigern oder von Menschen, die länger auf der Suche nach einer beruflichen Herausforderung sind. Zeitarbeit ist eine gute Alternative, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, denn die Übernahmequote unserer Mitarbeiter ist hoch. Nach meiner Erfahrung wählen Unternehmen, die bei Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zunächst Bedenken haben, auch häufig den Weg über einen Personaldienstleister.

DN: Warum ist das so?

Freumuth: Wie schon erwähnt, viele finden den Weg zu den zuständigen Organisationen und Kostenträger steinig und wenig transparent. Zudem gibt es Irrglauben wie die Unkündbarkeit von Menschen mit Behinderung. Oft ist aber der Wille da, und dann sucht man zuerst einen Mitarbeiter über die Variante der Arbeitnehmerüberlassung. So haben beide Seiten die Möglichkeit, sich an den Anderen heranzutasten. Eine Win-win-Situation.

DN: Wenn Inklusion in einem Unternehmen funktionieren soll, worauf kommt es an?

Freumuth: Inklusion ist Chefsache. Zunächst einmal muss also die Geschäftsführung hinter dem Thema stehen. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es aber auch wichtig, dass alle Mitarbeiter die inklusive Unternehmenskultur leben. Wenn das Unternehmen zudem ein funktionierendes Netzwerk mit bildenden Einrichtungen, Kostenträgern und weitere Organisationen aufgebaut hat, ist es perfekt.

DN: Haben Sie das bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber vorgefunden?

Freumuth: Ja. Der Wille zur gelebten Inklusion ging von unserer Geschäftsführung aus. Mit der Schaffung der Position eines eigens zuständigen Inklusionsbeauftragten wurden auch die nötigen Schritte für eine nachhaltige Umsetzung eingeleitet.

DN: Welche Rolle spielen Netzwerke, wie zum Beispiel das Delphin Netzwerk bei der gelebten Inklusion?

Freumuth: Der Austausch mit anderen Eltern kann sehr hilfreiche Impulse, Orientierung und auch Motivation geben. Organisationen wie das Delphin-Netzwerk leisten daher in meinen Augen eine sehr wertvolle Arbeit und können ein Wegweiser für alle Beteiligten sein.

DN: Könnten sich interessierte Eltern auch an Sie wenden, wenn sie Fragen zum Thema Inklusion in der Arbeitswelt haben?

Freumuth: Über das Kontaktformular auf unserer Website www.siegertyp.rocks können auch Eltern direkt mit mir in Kontakt treten.

Lieber Herr Freumuth, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen maximale Erfolge für Ihre vorbildliche Arbeit.

Das Interview wurde von Hildegard Thöne für das Delphin-Netzwerk im Juni 2018 geführt.